Beobachtungsberichte von interessanten Objekten - Sternwarte Zittau

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Beobachtungsberichte von interessanten Objekten

Merkurdurchgang am 9. Mai 2016:
Merkur ist auf Grund seiner Sonnennähe ein sehr schnellbeweglicher Planet. Alle 116 Tage steht er in seiner unteren Konjunktion in der Nähe der Sonne. Seine Bahnebene ist jedoch um 7 Grad gegen die Erdbahnebene geneigt, deswegen huscht er bei dieser Position meist über oder unter der Sonne vorbei. Der innerste Planet des Sonnensystems ist nur alle paar Jahre dabei so nahe an der Verbindungslinie Erde-Sonne, dass er als kleine schwarze Scheibe über die Sonne zieht. Man spricht dann von einem Transit oder Durchgang.
Für einige sind die Venusdurchgänge vor unserer Sonne aus den Jahren 2004 und 2012 noch in Erinnerung. Der nächste dieser Art findet erneut für einen Beobachter im deutschsprachigen Raum erst am 8. Dezember 2125 statt. Wohl kein heute lebender Mensch wird einen Vorübergang der Venus vor der Sonne wieder sehen können. Merkurdurchgänge vor der Sonnenscheibe sind schon häufiger zu beobachten. Betrachten wir nur die Sichtbarkeiten der letzten 50 Jahre in Mitteleuropa, so geschah dies am 9. Mai 1970, am 10. November 1973 und am 7. Mai 2003. Nach dem diesjährigen Durchgang ist das bereits am 11. November 2019 wieder der Fall. Dann, nach 13-jähriger Pause  am 13. November 2032, am 7. November 2039 und am 7. Mai 2049.
Der diesjährige Merkurdurchgang war besonders schön zu beobachten, weil der Planet sehr nahe am Sonnenmittelpunkt vorbeizog. Er begann etwa 13 Uhr 14 min (Sommerzeit) und endete um 20 Uhr 41 (Sommerzeit). Der Durchgang zog sich somit über siebeneinhalb Stunden hin. Trotz einiger durchziehender Wolken war der Merkur vor der Sonnenscheibe sehr gut zu sehen (siehe nebenstehende Abbildung):
merkurtransit3
 
Komet Catalina
Das Jahr endet so, wie es aufgehört hatte, nur dass der „Paukenschlag“ etwas leiser ausfällt. Aufmerksame Leser der Webseite werden sich erinnern. In den Januartagen 2015 hatten wir den Kometen „Lovejoy“ am nächtlichen Himmel.
Nun Komet „Catalina“, er wurde am 31. Oktober 2013 (vor über zwei Jahren!) durch das „Catalina Sky Survey“ entdeckt und hat aktuell eine Helligkeit von etwa 6 mag. Mit einer Helligkeit von etwa 14.5 mag lag er Anfang Oktober 2014 im Bereich der Erwartungen. Diese Entwicklung setzte sich fort. Im April 2015 wurden Werte um 13 mag, im Juni 2015 um 10 mag, Ende Juli um 8 mag und Ende August um 6.5 mag publiziert. Diese Helligkeit veränderte sich bis Ende Oktober hinein nicht. Auf Fotos von Ende Juli zeigte der Komet erstmals sowohl einen Gasschweif als auch einen kurzen Staubschweif. Über die Umlaufzeit um die Sonne gibt es noch keine Angaben. Die Exzentrizität der Bahn wird aber mit 1,000311 angegeben, was schlichtweg bedeutet, dass er sich auf einer Hyperbelbahn befindet und wir ihn nie wieder zu Gesicht bekommen werden. Die kühnen Prognosen für die Helligkeit gipfelten bis zur 5. Größenklasse und einen 10° langen Schweif. Eine Helligkeit von 5 Größenklassen hätte bedeutet, dass er vielleicht bei einem dunklen Himmel noch mit bloßem Auge sichtbar gewesen wäre. Das Märchen vom „Weihnachtskometen 2015“ war geboren (wieder mal !). Der Komet war zunächst auf der Südhalbkugel sichtbar und erreichte am 15. November 2015 mit ≈123 Millionen Kilometern Abstand zur Sonne, sein Perihel. Das ist viel zu wenig, um sich zu einem „Großen Kometen“ zu entwickeln, da hätte er schon näher ran rücken sollen. Ab Ende November tauchte Catalina ungefähr mit einer Helligkeit der 6. Größenklasse am Morgenhimmel auf, und ab der Jahreswende 2015/2016 wird er für viele Wochen sehr gut von Mitteleuropa aus sichtbar sein. Anschließend wandert er schnell in Richtung Norden und wird zum Zeitpunkt seiner größten Erdnähe, Mitte Januar 2016, schließlich zirkumpolar. Er ist dann hervorragend in den Sternbildern Großer Bär, Drache und Giraffe platziert.
 An der Sternwarte in Zittau konnte er am 14. Dezember, morgens um 5 Uhr 55 min erstmals im großen 40 cm - Teleskop fotografiert werden. Doch mehr als ein türkisblauer, vermatschter Fleck war bei dem erleuchteten Zittauer „Nachthimmel“ nicht drin.
Komet Catalina, fotografiert am 14. 12. 2015 an der Sternwarte in Zittau (Foto: Dietmar Kitta)
Komet Catalina
 
Oktober 2015: Tschurjumow-Gerasimenko  („Tschuri“)
(Ein Beobachtungsbericht von Dietmar Kitta)
 
Der Komet wurde 1969 am Institut für Astrophysik von Alma-Ata von Klym Tschurjumow und Swetlana Gerassimenko entdeckt. Dieser Komet ist zwar nicht der erste gewesen, der von einer Raumsonde besucht wurde, doch waren die Ergebnisse derart sensationell, dass sogar der wenig an Astronomie interessierte die Mission verfolgte. Die spektakulären Ereignisse des Anfluges der „Rosetta“-Sonde und das hüpfende Aufsetzen des mitgeführten Landefahrzeuges „Philae“ füllten Zeitungen, Zeitschriften und sämtliche Nachrichtenkanäle. Doch darum soll es hier nicht gehen.  
Der Bursche ist ein eher unscheinbar erscheinender himmlischer „Walzbruder“. Seine Umlaufzeit liegt bei knapp sechseinhalb Jahren. Ein Komet weist ja nur dann eine merklich helle Gashülle (Koma) und ebenso entsprechend hellen, langen Schweif auf, wenn er genügend Masse besitzt und vor allem nahe genug an die Sonne heran kommt, wo er ordentlich durchgebraten wird. Der sonnennächste Punkt von „Tschuri“ liegt mit 186 Millionen Kilometern noch außerhalb der Erdbahn. Solch ein großer Abstand sorgt für keine spektakuläre Erscheinung am nächtlichen Himmel.          
Seinen sonnennächsten Punkt erreichte er Mitte August diesen Jahres. Obgleich er sich dann wieder von der Sonne entfernte rückte er noch etwas an unsere Erde heran. Sollte er mit erdgebundenen Amateurfernrohren aufgefunden werden können? Vielleicht gar bei uns an der Sternwarte?  Mitte September stand der Komet nahe des bekannten offenen Sternhaufens „Krippe“ (M44) im Sternbild Krebs. Die genauen Bahndaten waren bekannt – und ich ging auf „die Pirsch“. Leider musste man dazu seinen Nachtschlaf gegen 3 Uhr 30 abrupt unterbrechen.   
Aufnahmen von „Rosetta“ zeigten die beginnende Ausgasung des Kometen (siehe nebenstehendes Bild)  und weckten die Hoffnung, dass die sich ausbildende Koma auch mit großen erdgebundenen Teleskopen sichtbar sein sollte. Ein erster Versuch mit einem Tessar 4,5/300 misslang. Doch am 17. September hatte ich Glück, der Himmel war einigermaßen wolkenfrei und es herrschte eine gute Durchsicht. Stück für Stück tastete ich mich mit der Kamera, die mit dem 400 mm Newton-Spiegelteleskop verbunden war, an den Kometen heran. Zu Hause wurden dann die Aufnahmen gesichtet und nachbearbeitet – und der Komet aufgefunden. Zur Milderung der Enttäuschung aller, die jetzt eine imposante Aufnahme erwarten nun das Bild (siehe unten).
Tschuri - Rosetta
„Tschuri“ zeigt nachweislich seine Ausgasungsaktivitäten in Form einer milchigen Gas-/Staubhülle. Er ist deutlich von einem Stern zu unterscheiden. Darstellbar war er nur fotografisch, visuell war selbst im 40 cm Spiegelteleskop nichts von dem Kometen sichtbar. Er dürfte etwa die 13. Größenklasse erreicht haben.
Tschuri - Sternwarte Zittau
partielle Sonnenfinsternis am 20.03.2015:
Bei Bilderbuchwetter konnten wir die partielle Sonnenfinsternis am Vormittag des 20.03.2015 in Zittau optimal beobachten. Unten sehen Sie den Verlauf der ganzen Finsternis im Überblick. Die Fotos stammen von R. Gründel. Die Fotos entstanden mit einem DDR-Schulfernrohr "Telementor" 63/840 inklusive Objektivsonnenfilter.
Die Sternwarte war gut besucht und so konnten viele Besucherinnen und Besucher sich einen persönlichen Eindruck von der Finsternis verschaffen.
Nebenstehendes Foto zeigt bei näherer Betrachtung eine ganze Reihe von "Sonnensicheln". Dazu wurde ein ganz normales Küchensieb zu einer Lochkamera umfunktioniert. Eine prima Idee!
Sonnensicheln
Die ganze Finsternis im Überblick
SoFi 2015
SoFi 2015
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